DJJB-Lehrgang:
Abwehr gegen bewaffnete Angriffe und Nutzung der entwendeten Waffe

Am 1. Advent (02.12.2018) fand an einem verregneten Sonntag ein Lehrgang, mit dem Thema Abwehr gegen bewaffnete Angriffe und Nutzung der entwendeten Waffe, statt. Der offizielle DJJB-Lehrgang wurde durch Sensei Denis Heinrich (4. Dan Jiu Jitsu – Zanshin Dojo Erftstadt) – mit der besonderen Unterstützung des KID-Anwärters Tim Karlovics (2. Dan Jiu Jitsu – Zen Bogyo Do e. V. Otterbach) –, geleitet und im Dojo des Polizeisportvereins Krefeld 1925 e. V. ausgetragen. Die Jiukas hatten in diesem Rahmen die Gelegenheit, durch aufeinander aufgebaute technischen Inhalte, verbunden mit der Psychologie eines bewaffneten Angriffs, für sich zu erschließen, wie eine Abwehr realistisch umzusetzen ist.

Tatsache ist, dass ein Täter ein erhöhtes Gewaltpotenzial besitzt, sobald er bereit ist eine Waffe zu verwenden. Die Meisten von uns haben vermutlich mal eine Schlägerei mitbekommen oder sogar miterlebt, aber die wenigsten von uns wurden direkt mit einer Waffe bedroht oder angegriffen. Aus diesem Grund ist es notwendig sich nicht nur rein mit den Abwehrtechniken, sondern auch ausführlich mit den Umständen eines bewaffneten Angriffs auseinander zu setzen. In der heutigen Zeit ist es hilfreich reale Situationen unter Anleitung durch Videoaufnahmen verständnisvoller zu machen und gemeinsam zu analysieren. Durch diese Videoanalyse war für alle Teilnehmer klar, wie unerwartet eine Ausgangssituation für einen bewaffneten Angriff entstehen kann (es ist nicht immer die dunkle Gasse, die Gefahr bedeutet) und welche Folgen dadurch passieren können – nämlich, dass eine lebensbedrohliche Verletzung entsteht. Uns ist aber auch ohne eine ausführliche Analyse klar, dass man im schlimmsten Falle mit dem Leben bezahlt.

Die Psyche eines bewaffneten Täters ist komplex und führt dazu, dass ein Angriff sehr unvorhersehbar ablaufen kann. Ein Täter ist automatisch „im Vorteil“, weil er weiß, dass er jemanden angreifen wird und als einzige die eigene Gewaltbereitschaft kennt. Die erste Reaktion der angegriffenen Person ist dadurch entscheidend und es fängt schon da an, dass man überhaupt realisiert, dass das Gegenüber eine Waffe hat. Im Rahmen des Lehrgangs wurden die Jiukas dahin geleitet, den „Eingang“ einer Abwehr so schnell und effektiv wie möglich umzusetzen, sodass der Angreifer durch die plötzliche Gegenreaktion deutlich an Energie verliert.  Die Verkürzung der Distanz Richtung Waffe erfordert eine innere Überwindung, da der Mensch instinktiv sich eher von der Gefahr weg bewegt. Daher benötigt es eine besondere Präzision und viele grundlegende Entscheidungen (Abwägen, Timing, Kraftaufwand, Technik, Energie usw.) in kürzester Zeit. Diese Eingänge und kurze Wege konnten mit verschiedenen Waffen (Schlag-, Stich- und Schusswaffen), verbunden mit effektiven Abwehrtechniken, sehr gut im Rahmen des Lehrgangs ausprobiert und eingeübt werden. Das Ziel dabei ist einen inneren Reflex anzutrainieren, was uns eine Erstreaktion ermöglicht, ohne dabei groß nachzudenken oder vor Angst zu erstarren, wodurch wichtige Sekunden verloren gehen könnten.

Die menschliche Beschaffenheit ist bei Gefahr entweder auf Flucht oder Angriff eingestellt. Nur wer entscheidet, ob man in einer bedrohlichen Situation flüchten, sich wehren oder sogar sich „ausrauben lassen“ soll? Ist man dadurch weniger Jiuka, wenn man der Gefahr grundlegend aus dem Weg geht, um das eigene Leben zu schützen? Oder wird es von einem erwartet in jeder Gefahrensituation „der Held“ zu sein, nur weil man ein aktives Mitglied des Deutschen Jiu Jitsu Bundes ist und einen bestimmten Gürtelgrad besitzt? Was macht man mit der Waffe nach der Abnahme? Wie soll man sich mit der abgenommenen Waffe in der Hand generell verhalten, damit es für die Polizei ebenso ersichtlich ist, dass man nicht der Täter ist? usw. Über ähnliche Fragen konnten sich die Lehrgangsteilnehmer mit den Meistern austauschen und gemeinsam nach einer Antwort für die wesentlichen Fragen dieser Art suchen.

Am Ende blieb ein wichtiger Fazit für alle Anwesende im Sinn hängen: man muss sich bereits im Vorfeld mit den eigenen Grenzen und Fähigkeiten auseinander setzen, damit diese in der entsprechenden Situation Richtung Deeskalation oder Selbstverteidigung effektiv und sicher abrufbar sind und eingesetzt werden können um einen möglichen Schaden (psychisch oder physisch) zu minimieren. Die Meister haben durch diesen Lehrgang sehr gut die Wichtigkeit dessen verdeutlicht, dass man sich nicht nur auf die technischen, sondern sich auch auf die mentalen Komponente der Selbstverteidigung fokussieren soll.

– Euer Zanshin Dojo Team –